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Spahn bringt Homebanking und Zugriff auf Patientendaten durcheinander

Unter dem Titel “Gesundheitsminister will Patientenakte auf Handys zugänglich machen” lesen wir
von den Plänen des amtierenden Gesundheitsministers, Versicherten den Zugriff auf ihre elektronische
Patientenakte via Handy oder Tablet zu ermöglichen.

Spahn wolle auch die Zugänge und Authentifizierungsverfahren für die elektronische Patientenakte erweitern:
Der Versicherte selbst soll wie beim Online-Banking mit PIN und TAN einfacheren Zugriff auf seine eigenen Daten bekommen.
heißt es ferner.

Es ist zu befürchten, dass durch die Analogie zum Online-Banking Vertrauen in diese Technologie geweckt werden soll.
Dieses Vertrauen ist jedoch auf die Fehlannahme gebaut, der Online-Zugang zu Patientenakten könne mit einer analogen
Zugriffstechnik sicher wie Online-Banking gemacht werden. Dies ist aus mehreren Gründen nicht der Fall:

1. PIN und TAN sind sicher. Dies ist nicht der Fall, wie viele erfolgreiche Phishing-Angriffe auf Online-Banking belegen.
So wurde im Jahr 2016 laut https://de.statista.com/statistik/daten/studie/38681/umfrage/finanzieller-schaden-durch-phishing/
durch Phishing ein Schaden von rund 8,7 Millionen Euro verursacht. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass auch der Zugang zu den Patientenakten ähnlich kompromittiert wird.

2. Der Schaden ist wie im Online-Banking zeitnah zu entdecken. Beim Online-Banking sind finanzielle Schäden unmittelbar durch
einen Blick auf den Kontostand erkennbar, “das Geld ist weg”. Sollte jemand eine Kopie einer digitalen Patientenakte
anfertigen, kann der Schaden nicht so leicht erkannt werden, das Original ist ja noch da. Dadurch verursachte Probleme wie
bekanntgewordene stigmatisierende Diagnosen oder schlechtere Chancen auf dem Arbeits- oder Versicherungsmarkt können möglicherweise nicht ohne weiteres in Bezug zu einer gestohlenen Akte gesetzt werden.

3. Der Schaden ist im Online-Banking gedeckt. Trägt der Kunde keine Schuld, haftet die Bank. Die Bank hat ein existentielles
Interesse, Schadenfälle möglichst kulant und geräuschlos zu regulieren. In über 10 Jahren eGK-Geschichte vermissen wir immer noch Haftungsregeln für geschädigte Patienten. Vielleicht tut sich der Gesetzgeber hier deshalb so schwer, weil das die Renditeaussichten im eHealth-Business zunichte machen würde, wenn man die Risiken einpreisen würde?

 

Links:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Gesundheitsminister-will-Patientenakte-auf-Handys-zugaenglich-machen-4110662.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/38681/umfrage/finanzieller-schaden-durch-phishing/

AOK: Ein neuer Abgesang auf die Gematik und die elektronische Gesundheitskarte

Quelle:@AOK_Politik 12.09.2017

Ärzteblatt.de berichtet am 12.09.2017, dass der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes, Martin Litsch, beim Symposium Digitales Gesundheitswesen 2021erklärte: „Ich halte die Entscheidungsstrukturen in der gematik für gescheitert“.

Dies ist ein erneuter Abgesang auf die für den Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) zuständigen Betreibergesellschaft gematik und auf das von Bundesgesundheitsminister H. Gröhe (CDU) hoch gelobte e-Health-Gesetz. Die Forderung von Litsch, dass die verschiedenen Akteure ­­­im Gesundheitswesen “nicht länger an die komplexen Entscheidungsstrukturen in der Telematik gebunden sein, sondern dezentrale Lösungen umsetzen” sollen kann aus Sicht der Versicherten nicht die Lösung sein. Denn seine Positionierung “Der Koexistenz vieler kooperierender Netze, gleich wer sie betreibt, gehört die Zukunft” öffnet der Deregulierung und dem Zugriff  privatwirtschaftlicher Interessen auf die Erfassung der Gesundheits- und Behandlungsdaten der 70 Mio. gesetzlich versicherter Mitglieder der Krankenkassen.

Unter Federführung der AOK Nordost und unter Beteiligung der AOK Bayern und Baden-Württemberg sowie des AOK-Bundesverbandes hat die AOK bereits 2016 begonnen, eine kassenspezifische digitale Patientenakte zu entwickeln. Sie soll auch geeignet sein, die Daten aus Wearables und Apps aufzunehmen und zu verarbeiten, damit noch mehr Gesundheitsdaten erfasst werden als dies mit der Infrastruktur der gematik beabsichtigt ist.

Aus Sicht kritischer Versicherter wäre das der Weg aus dem Regen in die Traufe…