Der Haussegen hängt schief: Offener Streit über das e-Rezept in der Gematik

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG), Mehrheitseigner der Gematik, hält trotz Pleiten, Pech und Pannen in der Testphase des eRezepts in der Modellregion Berlin-Brandenburg daran fest, das eRezept zum 01.01.2022 bundesweit einzuführen.

In einer konzertierten Aktion haben sich am 01.12.2021 die düpierten Gematik-Minderheitsgesellschafter zusammengefunden und begehren offen gegen Spahns Gematik-Statthalter Dr. Markus Leyck Dieken auf. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Titel Erhebliche Zweifel an Aussagekraft der eRezept-Tests stellen die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), die Bundesärztekammer (BÄK), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Apothekerverband (DAV) u. a. fest:

  • Mit großer Skepsis sehen die meisten Gesellschafter der gematik deren öffentliche Aussage, dass die bisherige Testphase zur Einführung des Elektronischen Rezepts (eRezept) ‚erfolgreich‘ verlaufen sei. Das Gegenteil ist der Fall: Tatsächlich sind die Tests in der Fokusregion Berlin-Brandenburg nicht aussagekräftig… So sollten für einen bundesweiten Rollout mindestens 1.000 eRezepte ausgestellt und erfolgreich abgerechnet werden – aktuell sind es lediglich 42. Zudem konnte weder die Anzahl der teilnehmenden Systeme in den Arzt-, Zahnarztpraxen beziehungsweise Apotheken noch die Anzahl der teilnehmenden Krankenkassen im Test erreicht werden. Ein Krankenhaus war an den Tests bisher nicht beteiligt. Ob alle Anwendungen uneingeschränkt funktionieren, ist aufgrund des niedriger ausgefallenen Testvolumens zweifelhaft und daher noch nicht abschließend zu beurteilen.“

Die Verbände weisen darauf hin, dass

  • in Arzt- und Zahnarztpraxen täglich etwa 2 Mio. Rezepte ausgestellt werden und
  • fehlerhaft übermittelte eRezepte nicht nur eine Belastung für Ärzte, Zahnärzte und Apotheken, sondern auch eine Gefährdung der Patientensicherheit darstellen.

Die Erklärung endet mit dem Appell an den Gesetzgeber, „die Anwendung des eRezeptes erst nach einer ausreichenden Testphase und erwiesener Praxistauglichkeit für den Regelbetrieb in den Praxen vorzusehen.“

Wird sich der designierte neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) anders verhalten als sein Vorgänger Jens Spahn (CDU)? Zweifel sind angebracht!

  1. !st auch Karl Lauterbach einer derjenigen, die die Digitalisierung des Gesundheitswesens immer wieder gefordert haben.
  2. Klingen auch die Aussagen im Koalitionsvertrag nicht danach. Die Ampelkoalition auf „Beschleunigung“ in Sachen Telematikinfrastruktur und bei der elektronischen Patientenakte gar auf eine Zwangs-ePA, die allen gesetzlich Versicherten per Änderung des SGB V aufgezwungen werden soll.

 

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