„E-Rezept-Unwesen“ – Praxistest noch nicht bestanden

Mit „E-Rezept-Unwesen“ beschreibt das online-Magazin apotheke adhoc, was seit Anfang Januar vielfache Erfahrung von Patient*innen ist, die in der Apotheke ihres Vertrauens das e-Rezept einlösen wollen, das ihnen beim Arztbesuch ausgestellt wurde. Sie müssen warten. Oder erneut in die Apotheke kommen. Und wieder warten. Und erneut in die Apotheke kommen. Und wieder warten…

Das E-Rezept kann – „ganz easy (?!?)“ – über verschiedene Wege genutzt werden, informiert das Bundesgesundheitsministerium:

  • Patient*innen können das E-Rezept mit ihrer Elektronischen Gesundheitskarte (eGk) einlösen.
  • Das E-Rezept kann per Smartphone über eine E-Rezept-App verwaltet und an die gewünschte Apotheke gesendet werden.
  • Die für die Einlösung des E-Rezepts erforderlichen Zugangsdaten können als Papierausdruck in der Arztpraxis ausgehändigt werden.

Was so einfach klingt, hat in der Praxis seine Tücken

  • Darüber informiert das online-Magazin apotheke adhoc im o. g. genannten Beitrag.
  • Noch drastischer die Schilderung der auftretenden Probleme auf heise.de: Patienten müssen nach dem Arztbesuch in der Apotheke teilweise Stunden warten, bis sie ihr Medikament ausgehändigt bekommen. Ein Grund dafür können neben Internetstörungen und ähnlichem fehlende Signaturen bei den E-Rezepten sein… Es gibt verschiedene Arten, das E-Rezept zu signieren. Besonders weit verbreitet ist dabei die Stapelsignatur, bei denen Ärzte zu einem bestimmten Zeitpunkt einen ‚Stapel‘ E-Rezepte signieren. Da das in manchen Praxen alle paar Stunden passiert, oder sogar erst am Folgetag, müssen Versicherte sich bis zur Signatur gedulden, denn erst dann ist das E-Rezept gültig und in der Telematikinfrastruktur – der ‚Datenautobahn‘ für das Gesundheitswesen – abrufbar…“
  • Und Stefan Schwenzer, Inhaber der KOSMOS Apotheke Bremen, informiert auf LinkedIn: „…ich erlebe bei unseren Kundinnen und Kunden eine zunehmende Unzufriedenheit. Hauptproblem: immer wieder kommt es vor, dass E-Rezepte (noch) nicht signiert sind. Dann sind wir aufgeschmissen. Manche Kundinnen kommen dreimal in die Apotheke…aber das Rezepte ist noch immer nicht signiert. Letztlich müssen dann auch ältere Patienten ggf. mehrfach aus dem Haus oder viele Rezepte später per Boten beliefert werden – mehr Aufwand und Kosten auf allen Seiten. Letzter Fall: Freitag-Nachmittag, ein Kunde mit dringend benötigtem Asthma-Spray. Rezept wurde nicht signiert. Arztpraxis ist schon geschlossen – ein Fall für die (ohnehin überlastete) Notaufnahme…“

Wieder mal ein Beleg für den Wahrheitsgehalt des Sprichworts: Gut gemeint ist nicht gut gemacht!


Update 28.01.2024

Der Sozialverband VdK Deutschland e.V. verweist auf seiner Homepage darauf, dass  sich “viele VdK-Mitglieder…vermehrt mit Fragen und Schwierigkeiten an den Sozialverband” wenden. Besonders ältere Menschen verstehen die komplexe Anmeldung in der App nicht und scheitern daher an der Authentifizierung. Andere beschweren sich über Praxen, die sich weigern, das E-Rezept auszudrucken, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Andere Patientinnen und Patienten haben das Gefühl, übergangen zu werden. Sie können durch das E-Rezept nicht mehr einsehen, was ihnen verschrieben worden ist… Die Nutzung des E-Rezepts darf aber für niemanden zur Belastung werden… Gerade im Gesundheitssystem müssen bei Neuerungen alle Menschen mitgenommen werden. Wir erwarten daher bei allen Digitalisierungsschritten, die jetzt und in Zukunft anstehen, dass Barrierefreiheit mitgedacht wird…“

 

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