95 Thesen am Gesundheitsministerium angeschlagen

Am 29. Oktober 2026 ist die Gruppe “Gesundheit besser digitalisieren“ (GeBeDi) an die Öffentlichkeit gegangen. Sie hat 95 Thesen zu ihrem Thema an eine Tür beim Bundesministerium für Gesundheit angeschlagen. Damit unternimmt die Gruppe den Versuch, grundsätzliche Kritik z.B. an der Elektronischen Patientenakte (EPA) mit Vorschlägen für bessere Alternativen zu verbinden. Denn bisher besteht ein großes Defizit darin, dass Kritiker:innen der EPA oft als rückwärtsgewandte Technik-Gegner:innen gesehen werden. Das Gegenteil ist richtig. Gerade unter IT Entwickler:innen ist Kritik an der EPA am stärksten verankert, nachweisbar bei den Branchengrößen Heise, Kuketz Blog, oder in mehreren Vorträgen beim Chaos Communications Congress. Die Wahrnehmung ist anders: die erste Reaktion, wenn man sich als Kritiker der EPA erklärt, ist oft: „Aber ich hätte doch gerne meine Krankengeschichte in elektronischer Form. Wie kann man denn dagegen sein?!“ Niemand ist weniger dagegen, als wir! Im Gegenteil, es sind einige der größten Technik-Nerds bei uns anzutreffen. Die EPA ist schlechte Technik. Das ist der wesentliche Grund, warum wir gegen die EPA sind. Damit das allmählich besser verstanden wird, ist es gut, dass es GeBeDi gibt.  Wir sind dabei.

Es besteht also günstigstenfalls eine strukturelle Gemeinsamkeit zwischen den Thesen von Martin Luther im Jahre 1517, und unseren. Martin Luther brachte  eine damals längst verbreitete Stimmung zum Ausdruck, vor allem im städtischen Bürgertum, die vorher nicht gut in Worte gefasst werden konnte. Ähnlich wie andere Reformatoren damals, Zwingli oder vorher Jan Hus. Einen großen  Unterschied sehe ich allerdings.

Luthers Verbündete waren nicht nur die vielen Bürger, die nach einer authentischen Version des Glaubens verlangten. Luther hatte einige Reichsfürsten auf seiner Seite, die zusätzlich ihre Macht nicht mehr von Bischöfen und Klöstern beschränkt sehen wollten.

Bei unserer GeBeDi Initiative glaube ich zu wissen, wer die  Bürger sind, die unsere Reformation unterstützen. Ich weiß noch nicht, wer unsere  Reichsfürsten sein sollen. Die Zeit wird es zeigen!

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