Jens Spahn, wann kommen endlich Einschränkungen am Arbeitsplatz?

Die Ansteckungsketten des Corona Virus sind in Deutschland längst ausser Kontrolle. D.h. man muss davon ausgehen, jeder könnte angesteckt sein. Das ergibt sich aus den vorliegenden, seriösen Zahlen.

Bevor man derzeit auf Zahlen Bezug nimmt, sollte man in einer ausführlichen Quellenkritik darlegen, wo die Zahlen herkommen. “Worldometer”, auf das ich mich beziehen werde, bekommt seine Zahlen vom “Coronavirus Resouce Center” der John Hopkins University, sie werden von dort automatisch übernommen. Diese Zahlen unterscheiden sich immer nur marginal von den Zahlen z.B. des Robert-Koch-Instituts. Sie werden anders ermittelt, gleichwohl regelmäßig z.B. von der Tagesschau genutzt.

Dass die Ansteckungsketten ausser Kontrolle sind, sieht man, wenn man auf dieser Seite bei Worldometer die Statistik “Outcome of Cases” betrachtet. Von den Corona-Fällen, die man erkannt und behandelt hat, war die bekannt gewordenen End-Ergebnisse in Deutschland gestern: über 25 % am Ende tot, unter 75 % geheilt. Tendenz steigend Richtung prozentual mehr Tote. Am besten versteht man diese Statistik, wenn man sie bei Worldometer mit der entsprechenden für China vergleicht.  In Wirklichkeit ist die Letalität von Corona weitaus niedriger als 25 %, höchstens 3,5 %. Das heißt, es gab wahrscheinlich in Deutschland mindestens fünfmal mehr Infektionen, als man bisher erkannt hat. Es dürfte jetzt  bereits über 100.000 Corona-Fälle geben, (von denen die meisten so gut verlaufen, dass sie in keiner Statistik erscheinen werden).

Die Haupt-Ansteckungsquelle ist jetzt der Arbeitsplatz. Bei weitem nicht jede Arbeit, für die jetzt noch Menschen eng zusammen stehen müssen, ist lebenswichtig. Beim Maschinenbau oder in der PKW-Produktion hat selbstverständlich das Unterbrechen der Infektionsketten höhere Pritorität, als Umsatz und Gewinn! Jedenfalls in einer vernünftigen Gesellschaft. Die haben wir nicht! Der Staat muss schnellstens Verordnungen erlassen, die Mindestabstände zwischen den Beschäftigten am Arbeitsplatz vorsehen. Die Paragrafen 16 und 17 Abs. 2 des Infektionsschutzgesetzes ermöglichen das.

In Italien sind vielfache Streiks im Gang, um solche Abstände am Arbeitsplatz durchzusetzen. Überall in Europa wurden Autofabriken längst geschlossen, in Deutschland beginnt man hoffentlich jetzt. Wo bleiben nur die deutschen Gewerkschaften?

2 Gedanken zu „Jens Spahn, wann kommen endlich Einschränkungen am Arbeitsplatz?“

  1. Danke für die Kritik. Die Quellen und Berechnungsgrundlagen habe ich im Artikel präzisiert. Meine Kritik an den Gewerkschaften halte ich für richtig, auch wenn selbstverständlich nicht Gewerkschaften, sondern Behörden Mindestabstände am Arbeitsplatz und Werkssschließungen anordnen können. Man bezahlt als Gewerkschaftsmitglied aber doch Beiträge dafür, dass die Gerwerkschaften in so einer Situation wie jetzt Mindestabstände am Arbeitsplatz und Werksschließungen einfordern! Das tun sie nicht. Sie produzieren daher wieder einmal den Eindruck, der arbeitende Mensch bräuchte keine Gewerkschaften. Ich bin dagegen, dass dieser Eindruck entsteht. Die Forderung von ver.di, mehr Kurzarbeitergeld zu zahlen, hatte mit dem Gegenstand meines Artikels zu wenig zu tun, als dass ich sie in diesem Rahmen hätte erwähnen dürfen. Ich stimme zu, dass man bei jeder sich bietenden Gelegenheit Werbung für die Gewerkschaften machen sollte. Aber eben nur bei sich bietender Gelegenheit. Wenn man auch ohne wirklich passende Gelegenheit solche Werbung macht, erreicht man langfristig das Gegenteil.

  2. Zwei Einwände möchte ich zum vorstehenden Beitrag machen.

    Den ersten zu diesem Satz: “Von den Corona-Fällen, die man erkannt und behandelt hat, war das Ergebnis in Deutschland gestern: über 25 % am Ende tot, unter 75 % geheilt. Tendenz steigend Richtung mehr Tote.”

    1.
    Der Verfasser bezieht sich hier auf eine Veröffentlichung, deren Seriosität ich nicht beurteilen kann. Das bedeutet nicht, dass ich die Zahlen , die dort veröffentlicht werden, für falsch halte. Ich kann es nur nicht beurteilen. Trotzdem halte ich es für besser, wenn man sich als kritischer Beobachter des Agierens von Politik und Verwaltung in der Corona-Krise ausschließlich auf die vom RKI veröffentlichten Zahlen bezieht (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html).
    Auch die RKI-Zahlen können falsch oder interessengeleitet sein. Um mit Tatsachenbehauptungen und Argumenten aber nicht in die Aluhut-Ecke gestellt werden zu können, macht es in meinen Augen Sinn, so zu verfahren. Denn auch zu Corona häufen sich inzwischen die Falschmeldungen von Aluhüten und Verschwörungstheoretikern.

    2.
    Die Zahlen, auf die verlinkt wird lauten:
    Coronavirus Cases: 21,652
    Deaths: 73
    Recovered: 209
    Ich habe das für mich so übersetzt: Von den Coronafällen, die abschließend behandelt sind, endeten 73 mit dem Tod und 209 mit dem Erfolg, dass die Betroffenen geheilt sind. Erfasst als Kranke wurde bislang 21.652.
    Bei kleinen Bezugsgrößen gibt es in der Statistik immer “optische” Verzerrungen, wenn man absolute Zahlen lediglich durch Prozentangaben ersetzt und die Bezugsgrößen weglässt. Richtig müsste diese Passsage des Textes daher lauten:
    Von den bisher (Stand: 21.03.2020) 21.652 nachweislich an Corona erkrankten Menschen in Deutschland sind 73 (= 0,337 % aller Erkrankten) verstorben, bei 209 (= 0,965 % aller Erkrankten) wurde ein Erfolg der Behandlung festgestellt.
    Woher die Zahl 209 stammt, wird im Beitrag und auch auf der verlinkten Homepage nicht erläutert. Beim RKI sucht man Zahlen dazu vergeblich. Dort werden lediglich (Stand heute) folgende Werte veröffentlicht: An­zahl – Dif­fe­renz zum Vor­tag – Fälle/ 100.000 Einw. – Todes­fälle

    Die Feststellungen im zweiten Absatz halte ich für berechtigt und notwendig.

    Mein zweiter Einwand: Der letzte Satz im 3. Absatz ist falsch und überflüssig.

    1.
    Wird die Produktion in mehreren großen Autokonzernen, ihren Vorlieferanten und in anderen Bereichen der Metallindustrie bereits heruntergefahren. Der Grund dafür ist nicht der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten. Ursache ist vielmehr das Prinzip der „just in time“-Produktion, das auf minimalste Vorratshaltung von Vorprodukten setzt und durch die massive Störung von Lieferketten ihre ganze Verletzlichkeit zeigt.

    2.
    Die Gewerkschaften im Produktionsbereich (IGM, IGBCE u. a.) sind – wie in vielen anderen Fragen – viel zu “staatstragend” und zu wenig entschlossene Interessenvertretung ihrer Mitglieder. Aber es sind nicht die Gewerkschaften, die Werksschließungen verfügen können, das können nur die entsprechenden Behörden auf Landesebene.

    3.
    So sehr die Forderung auch berechtigt ist, auch in Fabriken und Werkstätten den Corona-Schutz so gut wie möglich sicher zu stellen muss ich als Gewerkschafter feststellen: Das ist zu wenig!
    Meine Gewerkschaft ver.di fordert daher aktuell: Für Beschäftigte in Kurzarbeit sollten insgesamt 80 Prozent des Lohns weiter fließen – bei Arbeitnehmern mit Kindern 87 Prozent!  Bei großen Teilen der Beschäftigten ist Kurzarbeit sonst der sichere Weg in die Sozialhilfe!
    https://www.verdi.de/themen/politik-wirtschaft/++co++e083ceda-6a19-11ea-8216-525400940f89
    Eine Forderung, die berechtigt und notwendig ist und auch von Nicht-Gewerkschaftern unterstützt werden kann.

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