Premiere! Digitalisierungstheater erlebt Erstaufführung in Neusser Arztpraxis!

Inspiration: ÄrzteZeitung online, 16.11.2017

Hochkarätige Besetzung:
Der Pionier: Dr. v. Schreitter
Der Chor: das überlastete Praxisteam
Der Politiker: wechselnde Besetzung (Rolle wird öfters nach Parteiproporz umbesetzt)

Handlung:
Ein Neusser Hausarzt kämpft sich tapfer durch die unwirtliche Ödnis der Telematikinfrastruktur. Seine Unerschrockenheit ist umso größer (und unverständlicher) als er aus der Erprobungsphase schon weiß, dass das System nicht wirklich funktioniert. Das regelmäßige Abstürzen des Kartenlesegeräts wird von Klagegesängen der Chors untermalt. Der Politiker versucht, salbungsvolle Worte ans Publikum zu richten, die in dramatischem Gegensatz zur medizinischen Nutzlosigkeit der Telematikinfrastruktur stehen. Seine Äußerungen gehen jedoch im Chaos des Praxis-Geschehens unter. Der Arzt hält dennoch fest an der Hoffnung “dass bald auch Anwendungen mit einem Nutzen für die Versorgung ans Laufen kommen.” Im Epilog sehen wir den Helden in den Sonnenuntergang – Symbol einer ungewissen Zukunft – davonreiten. Das Publikum bleibt ratlos zurück und hofft auf die baldige Absetzung der digitalen Posse.

2 Gedanken zu „Premiere! Digitalisierungstheater erlebt Erstaufführung in Neusser Arztpraxis!“

  1. In der Ärzte Zeitung online vom 27.11.2017
    https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/e-health/gesundheitskarte/?sid=948443
    kommen zwei Ärzte mit Leserbriefen zu diesem Thema zu Wort.

    Einer der beiden weist daraus hin: “FÜR DEN ARZT IST DER DATENABGLEICH BEIM BESUCH SEINER PATIENTEN EIN EKLATANTER VERSTOß GEGEN DIE ÄRZTLICHE SCHWEIGEPFLICHT UND DEN DATENSCHUTZ.”

    Der andere schreibt: “Ich bin sehr traurig, daß trotz massiver Hackerangriffe gerade auf Einrichtungen des Gesundheitswesens und der tiefen Einblicke, die uns Leute wie Edward Snowden gewährt haben niemand den Mut und die Durchsetzungskraft hatte, die hochsensiblen Daten unserer Patienten zu schützen und dem unseligen Milliardengrab ecard den Stecker zu ziehen.”

    Recht haben sie, die beiden Herren Mediziner!

  2. Es ist erschreckend, dass bekannte Fakten, wie die, dass es Hackern bisher gelungen ist in jedes System einzudringen, unter dem Einfluß von Lobbyisten ignoriert werden. Wenn nur medizinische Gründe für die Telematikinfrastruktur sprechen würden, müssten konsequent auch alle Privatpatienten davon erfasst werden. Das das von den Lobbyisten verhindert wird, zeigt die ganze Unglaubwürdigkeit des Systems.

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