Private Krankenversicherungen wollen eigene „Datenautobahn“ bauen

Die privaten Krankenversicherungen (PKV) waren 2010 aus dem Projekt elektronische Gesundheitskarte/Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen ausgestiegen, nachdem absehbar wurde, wie langwierig, teuer und ineffektiv das Vorhaben werden würde. Nun kündigten die PKV an, „eine moderne Alternative“ dazu aufzubauen. Da die eCard-Technologie veraltet sei, entwickle man eine App für Smartphones. Diese soll alle Funktionalitäten der eGK nach SGB V § 291a enthalten – und darüber hinaus „eine Fülle individueller Service-Funktionen“. Grundlage dafür ist wie bei der eGK ein digitales Netzwerk für den Datenaustausch.

Ebenfalls wie bei der eGK wird betont, dass „die Versicherten in jedem Fall Herr ihrer Daten bleiben“. In der Vergangenheit aufgetretene Datenschutz- und Datensicherheitsprobleme bei Smartphone-Apps lassen diese jedoch als wenig geeignet zur Verarbeitung von Gesundheitsdaten erscheinen. Außerdem legen die Verantwortlichen Wert auf die Klarstellung, „das Modell beruhe auf der reinen Freiwilligkeit aller Beteiligten.“ Tatsächlich soll die Benutzung der App optional und die Papierabrechnung weiterhin möglich sein.

Wenn aber irgendwann Freiwilligkeit und Wirtschaftlichkeit kollidieren – was wird sich dann durchsetzen? Die PKV errichten ihr digitalen Netzwerk ja in der Hoffnung auf Einsparungen oder Effektivitätsteigerungen. Diese werden sich jedoch nicht realisieren lassen, wenn zu wenige Versicherte die App benutzen. Auch hier gilt die Einschätzung des Vorsitzende des PKV-Verbands Uwe Laue: „Wenn es darum geht, Mehrwert für die Patienten zu generieren, muss man gewisse Stückzahlen auf den Weg bekommen.“ Da wäre es nur folgerichtig, durch Anreize oder Zwänge für die weitverbreitete Nutzung der App zu sorgen – oder die Alternativen abzuschaffen.

2 Gedanken zu „Private Krankenversicherungen wollen eigene „Datenautobahn“ bauen“

  1. Ich finde es schon faszinierend, dass Manager, kaum dass sie ein eigenes Smartphone haben und ihre erste App installiert haben, danach rufen, alles mit einer App zu machen. Da wird nicht mehr links und rechts geguckt und am Schluss kannst du nicht mehr Bahn fahren, wählen, oder zum Arzt gehen, ohne ein Smartphone zu haben, um die entsprechende App zu benutzen. Ich finde das schon ganz schön ignorant und frech. Das Smartphone als Voraussetzung für Daseinsvorsorge.

    Auch ist es eine Illusion zu glauben, der Patient könnte auf diese Weise Herr seiner Daten bleiben, weil es ja Herr über sein Smartphone ist. Die Daten liegen außerhalb des Smartphones und sind dort den üblichen Begehrlichkeiten von staatlichen Stellen, Geheimdiensten und zwielichtigen Unternehmen ausgesetzt. Die Tatsache der Konzentration der Daten macht die Verlockung, sich illegal Zugriff zu verschaffen nicht kleiner.

  2. Mann muss sich an dieser Stelle nur Fragen, welchen Preis man dafür zahlen muss. Man gibt damit so vieles auf….in meinen Augen ist ein solcher Fortschritt nicht gesund.

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